Sinn und Unsinn: Hilfsmittel zur Selbstverteidigung

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  • Beitrags-Kategorie:Wissenswertes

Regelmäßig werde ich in meinen Frauen-Kursen nach bestimmten Hilfsmitteln zur Selbstverteidigung gefragt und was ich von ihnen halte. Wer meint, dazu eine pauschale Antwort geben zu können, hat meist keine Ahnung vom Thema. Denn: Es gibt sinnvolle, aber auch viele sinnlose Hilfsmittel da draußen.

Differenzieren wir also und schauen uns die bekanntesten einmal genauer an.

Mistgabel, die an Holzwand lehnt

Inhalte im Überblick

Der eigene Schlüssel

Mein persönliches Highlight unter den Hilfsmitteln zur Selbstverteidigung – allerdings nicht, weil ich den Schlüssel für geeignet halte, um sich besser zu schützen.

Den Schlüssel fest in der Hand halten und damit zuschlagen, am besten noch mit einzelnen Schlüsseln so zwischen den Fingern, dass die Bartzacken vorne herausschauen: Sicherlich ein gut gemeinter, aber völlig unüberlegter Rat. Das schwächste Glied in der Gleichung EIGENE HAND – SCHLÜSSEL – ZIEL (bspw. Kopf) ist meist die eigene Hand. Das Verletzungsrisiko ist enorm und sollte vermieden werden.

Zusätzlich gibt es aber noch einen anderen wichtigen Punkt: Der Verlust des Schlüssels. Man stelle sich die Situation vor: Eine körperliche Auseinandersetzung bedeutet meist Chaos, Geschubse, Bedrängen etc. Dabei den eigenen Schlüssel zu verlieren, ist nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich.
Der absolute Super-GAU: Der Aggressor bekommt DEINEN Schlüssel in die Hand.

Mir ist durchaus bewusst, dass andere KollegInnen eine andere Meinung zur Selbstverteidigung mit dem Schlüssel haben. Aus guten Gründen rate ich aber immer: Der Schlüssel darf nie zur Selbstverteidigung genutzt werden! Es gibt andere, bessere Lösungen.

Das Pfefferspray

Wer kennt es nicht? Das Pfefferspray; mittlerweile sogar im Onlineshop einer bekannten Drogeriemarkt-Kette erhältlich. Gleich vorweg mein Rat dazu: Lass es einfach sein. Auch Polizeibeamte, mit denen ich mich über dieses Thema unterhalten habe, vertraten die gleiche Meinung. Aber warum eigentlich?

Das meiner Meinung nach größte Problem mit Pfefferspray ist, dass kaum eine Privatperson, die sich dieses „Tool“ anschafft, überhaupt weiß, wie sie damit umzugehen hat. Du fühlst dich sicherer, bist es aber wahrscheinlich gar nicht. Etwas klarer wird das durch die folgenden Punkte. Prüfe gern selbst nach, was dir davon bekannt ist und was nicht.

Pfeffersprays…

  • laufen ab. Das Verfallsdatum muss auf dem Produkt angegeben sein.
  • enthalten keinen Pfeffer, sondern Capsaicin (Stichwort Chilischoten).
  • sind in Deutschland für Privatpersonen nur zur Tierabwehr zugelassen und müssen als solche gekennzeichnet sein. Gegen Menschen darf Pfefferspray nur in einer Notwehrlage eingesetzt werden.
  • reizen die Schleimhäute (Augen, Atemwege) und können zu vorübergehender Blindheit, Husten, Schwellungen, brennendem Schmerz und teilweise Atemnot führen.
  • unterscheiden sich in der Reichweite und dem Sprühbild (Schaum, Gel, Wolke).
  • sind zu Übungszwecken auch ohne Reizstoff erhältlich.
  • sollten nicht in geschlossenen Räumen benutzt werden.

Bedenke darüber hinaus, dass auch du selbst mit dem Reizstoff in Kontakt kommen kannst, wenn du Pfefferspray zur Gefahrenabwehr benutzt. In solch einem Fall solltest du schon vorher wissen, welche körperlichen Reaktionen bei dir auftreten können, wie du den Reizstoff am besten von deiner Haut und Kleidung entfernst und wie du dir möglichst schnell effektiv Hilfe holen kannst.

 
Pfefferspray mit roten Strass-Steinen und Schlüsselbund auf blauem Untergrund
Kommt meist zu kurz: Der richtige Umgang mit Hilfsmitteln muss gelernt sein.

Der Taschenalarm

Ein Taschenalarm kann dann hilfreich sein, wenn du vor allem die Prävention und Deeskalation von möglichen Übergriffen im Blick hast. Ein Taschenalarm kann durch den (je nach Produkt) sehr lauten Alarm abschreckend auf einen Angreifer wirken und zusätzlich andere Menschen in der Nähe auf die Situation aufmerksam machen. Ist der Taschenalarm zusätzlich noch mit einem Blitzlicht ausgestattet, kann das gerade bei Dunkelheit sehr hilfreich sein.

Ich selbst besitze einen Shepherd* Taschenalarm und empfehle ihn, natürlich nach eigenem Test, in meinen Kursen. Zum Einen ist er stabil, wird zusätzlich mit einem Karabiner zur Befestigung geliefert, schafft stolze 135 Dezibel und besitzt ein eingebautes Blitzlicht. Zum Anderen steht hinter dem Produkt eine Frau, die mit dem Shepherd anderen Frauen ein Stück mehr Sicherheit zurückgeben will.

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Der Kubotan

Ku-bo-was!?

Der Kubotan, auch Druckpunktverstärker, ist ein Selbstverteidigungstool, das wie ein etwas zu groß geratener Stift aussieht (ca. 14 cm lang) und hierzulande meist aus Metall erhältlich ist. Entwickelt wurde der Kubotan von Soke Takayuki Kubota, einem japanisch-amerikanischen Kampfkunstexperten, der sich die Bezeichnung Kubotan später als Marke schützen ließ.

Um einen Kubotan richtig und effektiv einsetzen zu können, ist vorab etwas Übung im Umgang mit dem Tool nötig. Dadurch, dass der Kubotan so gehalten wird, dass er unten aus der Faust herausschaut, sind „normale“ Schläge mit der Faust hier nicht zielführend. Vielmehr muss ein bestimmtes Schlag- und Bewegungsmuster eingeübt werden, um mit dem Kubotan wirkungsvolle Treffer an bestimmten Körperstellen landen zu können.

An dieser Stelle ein Hinweis: Meist wird der Kubotan mit einem Ring ausgeliefert, mit dem man ihn am Schlüsselbund befestigen kann. Da ich, wie oben beschrieben, den eigenen Schlüssel nicht als Hilfsmittel zur Selbstverteidigung empfehle, sollte logischerweise auch der Kubotan nicht am Schlüsselbund befestigt werden.

Fazit: Der Einsatz eines Kubotans erfordert zwar etwas Training, um effektiv zu sein. In den Händen eines erfahrenen Anwenders kann ein Kubotan jedoch eine wirksame Möglichkeit sein, sich in gefährlichen Situationen zu verteidigen oder zu entkommen.

Mit Vorsicht zu genießen:

Solltest du überlegen, dir ein Tool zur Selbstverteidgung anzuschaffen, informiere dich vorab möglichst genau darüber. Dabei helfen können dir Online-Quellen, Fachleute aus dem Bereich der Selbstverteidigung bzw. Kampfkunst oder die Polizei.

Every Day Carry (EDC)

Hinter dem Begriff Every Day Carry (EDC) verbirgt sich im Grunde das Hauptkriterium für ein Hilfsmittel zur Selbstverteidigung: Unabhängig davon, was du dir nun anschaffst, musst du es jederzeit bei dir tragen können oder wollen. Es muss also praktisch, leicht mitzunehmen und leicht zu benutzen sein.

Eigentlich ist klar, dass dir ein Tool, das du nicht mit dir trägst, nichts bringt. Aber sind wir mal ehrlich: Wie oft fristen Pfeffersprays und Co ihr Dasein in Schubladen oder Taschen (ganz unten natürlich), wo sie nicht griffbereit sind? Erfüllt also dein Hilfsmittel für dich nicht den Aspekt des Every Day Carry, wirst du es sehr wahrscheinlich  zu Hause liegen lassen und nie dabei haben.

Das Fazit

In diesem Beitrag haben wir bekannte Hilfsmittel zur Selbstverteidigung unter die Lupe genommen und ihre Vor- und Nachteile betrachtet:

Der Schlüssel, obwohl er oft gerade für Frauen als potenzielles Werkzeug zur Selbstverteidigung betrachtet wird, ist wegen des Verletzungsrisikos, der fraglichen Wirksamkeit und des Risikos, den Schlüssel zu verlieren, nicht  als Tool zur Selbstverteidigung absolut nicht empfehlenswert.

Das Pfefferspray, obwohl auch weit verbreitet, birgt teils große Risiken und erfordert eine sachkundige Handhabung, damit es effektiv und sicher benutzt werden kann. Es ist sehr wichtig, sich der rechtlichen Bestimmungen und der potenziellen Gefahren bewusst zu sein, bevor man sich für den Einsatz von Pfefferspray entscheidet. 

Der Kubotan, ein weniger bekanntes Selbstverteidigungswerkzeug, erfordert Training und Übung, um richtig eingesetzt werden zu können. Ist man im Umgang mit dem Kubotan geschult und kann die nötigen Bewegungsmuster auch unter Stress abrufen, kann der Kubotan eine wirksame Option zur Selbstverteidigung sein, vorausgesetzt, er wird verantwortungsbewusst verwendet.

Mein Fazit lautet daher: Bevor man sich für ein Selbstverteidigungswerkzeug entscheidet, ist es wichtig, sich gründlich zu informieren und gegebenenfalls professionelle Beratung einzuholen. Die Prinzipien des Every Day Carry (EDC) sollten berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass das gewählte Werkzeug praktisch und leicht zugänglich ist.

Letztendlich sollte man sich bewusst sein, dass Hilfsmittel zur Selbstverteidigung immer Plan B sein sollten, nie Plan A. Du solltest immer auch wissen, wie du dir selbst helfen kannst, wenn du kein Hilfsmittel zur Hand hast und was es braucht, um sich mit den eigenen Händen verteidigen zu können. 

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